Interdisziplinäre Balintgruppen

Balint-Gruppen im klassischen Sinne sind Arbeitsgruppen, die sich unter der Leitung eines erfahrenen Therapeuten regelmäßig treffen, um über „Problemklienten“ zu sprechen. Das Ziel ist eine veränderte Behandler-Klient-Beziehung, die zu tieferem Verständnis und besserer Behandlung des Klienten führt.

Franz Rohrmeier führt verschiedene Gruppen und ist von der Deutschen Balintgesellschaft und der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) für Fort- und Weiterbildung (mit Punktevergabe) anerkannt. Einer seit 2000 bestehenden Gruppe (jetzt in Rattiszell) gehören manche Mitglieder seit Beginn an.  Eine weitere Gruppe findet in der Forensischen Klinik in Straubing statt.

Das wichtigste methodische Element der Balint-Arbeit ist der freie Bericht über eine Begegnung mit einem Klienten. Die Gruppe untersucht gemeinsam im freien kollegialen Gespräch, in freier Assoziation und Fantasie die daraus erkennbare Beziehung. „Unser Hauptziel war die möglichst gründliche Untersuchung der ständig wechselnden Arzt-Patient-Beziehung, das heißt das Studium der Pharmakologie der ‘Droge Arzt’ ”, erklärte Michael Balint, der Erfinder dieser Supervisions-Methode.

Balint verglich also die Wirksamkeit des Arztes mit einem Arzneimittel, das erwünschte – und unerwünschte Wirkungen haben kann. Dem Konzept liegt das Krankheitsverständnis der Psychoanalyse zugrunde. Die Gruppe richtet ihre Aufmerksamkeit besonders auf Phänomene wie Übertragung,  Gegenübertragung und Abwehrmechanismen. Zentrale Fragen sind: Was macht der Arzt mit dem Patienten? Was macht der Patient mit dem Arzt? Welche Gefühle löst er in ihm (und in den Gruppenteilnehmern) aus? Hierin ist auch die Selbsterfahrung zur Weiterbildung (Psychosomatik, Psychotherapie) begründet.

Die Balintarbeit bietet die Chance, in einer sicheren Gruppe bisher un-bedachte Haltungen zu erkennen und zu ändern. Damit wird die Fähigkeit zum Umgang mit schwierigen Fällen verbessert. Sie beugt zudem Burn-Out vor und erleichtert es , die psychosomatische Haltung umzusetzen und zu vertiefen. Die Gruppen sind offen für Heilberufe.